Biographie:

  • * 06.07.1944 bei Bielefeld
  • 1963 Abitur
  • Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg und Berlin
  • Promotion, Habilitation, Professor in Bonn und Berlin
  • seit 1987 Richter am Verfassungsgericht NRW Münster
  • heute Leben in Bonn

Werke:

  • 1987 „Selbs Justiz“
  • 1988 „Die gordische Schleife“
  • 1995 „Der Vorleser“, Übersetzung in 49 Sprachen, mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet
  • 2000 „Liebesfluchten“
  • 2001 „Selbs Mord“

Auszeichnungen:

  • 1989 Autorenpreis deutschsprachiger Kriminalliteratur („Glauser“)
  • 1993 Deutscher Krimipreis
  • 1999 Literaturpreis der Tageszeitung „Die Welt“

Widerspiegelung im Roman:

Im Roman „Der Vorleser“, geschrieben von Bernhard Schlink im Jahre 1995, spiegelt das eigene Leben des Autoren in vielfältiger Weise wieder. Der Schriftsteller identifiziert sich durch sehr ähnliche Eigenschaften mit Michael, der Hauptfigur. Beide sind Söhne von Professoren und haben drei Geschwister. Die Bibliothek des Elternhauses prägte Schlink sowie Michael in besonderer Weise und erscheint auch im Roman als wichtiges Motiv (Hanna wird mit Büchern konfrontiert). Außerdem studiert Michael ebenfalls Rechtswissenschaften und setzt sich auch immer wieder mit der Bedeutung der nationalsozialistischen Vergangenheit für die nachfolgenden Generationen auseinander – so wie es der Autor tat.

Die fiktive Romanfigur Hanna Schmitz wird oft mit Frau Hermine Ryan (1919 – 1999) verglichen, welche ebenfalls Aufseherin in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Majdanek war.

Einordnung in die Literaturgeschichte:

In der jungen BRD der Nachkriegszeit hielten es die Schriftsteller für unmöglich, das Elend und Ausmaß der Konzentrationslager in Texten auszudrücken. Das Misstrauen gegenüber der vom Nationalsozialismus missbrauchten Sprache war zu groß. Stattdessen war die „Heimkehrerthematik“ vorherrschend, in welcher die schrecklichen Erlebnisse der Kriegsheimkehrer oder entlassener Kriegsgefangener, sowie die schwierige Integration in die neue deutsche Gesellschaft in Worte gefasst wurde. Ab den 60er Jahren stieg jedoch das Interesse an NS-Verbrechen – Gerichtsverfahren erlangten an Bedeutung. So kam beispielsweise auch Hannah Arendt (jüdische deutsch-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin) zur erschreckenden Erkenntnis, dass NS-Verbrecher und Massenmordorganisatoren in der Regel ganz normale karrierebewusste Bürokraten waren. Zunächst entstanden Dramen auf der Grundlage des Ausschwitz-Prozesses (1965), danach folgten fiktionale Erzählungen. Der 1995 erschienene Roman „Der Vorleser“ galt zumindest 7 Jahre lang als erster wirklicher gelungener deutscher Versuch, den Holocaust in fiktionaler Form literarisch darzustellen.

Quellen:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f4/Bernhard_Schlink.jpg

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